Achtung Toter Winkel

10. November 2014
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Kinder stehen im mit Flatterband markierten Toten Winkel eines LKW

Die Klasse 1c der Atzelschule erforscht den Toten Winkel eines LKW - ein Schulprojekt mit Christian Lottermann.

Blick in den Seitenspiegel eines LKW

Wieviele Kinder stehen
neben dem LKW?

Der Blick in den Außenspiegel
zeigt es...

Oder doch nicht?



Eine ganze Schulklasse
steht neben dem LKW!

Kinder stehen neben einem LKW

Der Tote Winkel heißt nicht nur so - er ist für Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad im Straßenverkehr tatsächlich die Todesursache Nummer Eins.

Und weil das so ist, hat die Klasse 1c der Atzelschule Bad Camberg gemeinsam mit der Klassenlehrerin einmal LKW-Fahrer sein dürfen, um selbst zu erleben, wie Kinder als Radfahrer oder Fußgänger im Straßenverkehr aus dem Führerhaus eines LKWs heraus wahrgenommen werden.

Angeregt, vorbereitet und durchgeführt hat das Projekt Christian Lottermann, dessen Tochter Melina auch in die Klasse 1c geht. Ursprünglich dachte er mehr daran, seine Kenntnisse und Erfahrungen als Fahrlehrer in die Verkehrserziehung ganz allgemein einzubringen, stolperte dann aber bei seinen Recherchen im Internet über die eingangs erwähnten erschreckenden Tatsachen und so reifte sein Entschluss, den Toten Winkel zum Thema eines Schulprojekts an der Atzelschule zu machen.

Als Juniorchef der Fahrschule Lottermann war der LKW kein Problem - Lottermanns stellten ihren Fahrschul-LKW für diesen Vormittag gerne zur Verfügung. Die Eltern der Klasse 1c, die Klassenlehrerin Frau Hoffmann und die Schulleiterin der Atzelschule Anne Sandner waren von der Idee begeistert und so fehlte nur noch ein für einen LKW leicht zugänglicher Ort mit genügend Platz rundherum. Da konnte die Feuerwehr Bad Camberg helfen - der Hof des Feuerwehrhauses ist dafür bestens geeignet. Und auch mit dem Ordnungsamt der Stadt Bad Camberg und Herrn Zimmer von der Jugendverkehrsschulung der Polizei Limburg-Weilburg stimmte Christian Lottermann sein Vorhaben ab.

eine Gruppe Kinder mit Warnwesten gehen auf einem Bürgersteig
"Verkehrsdetektive" unterwegs

Am Freitag, 7. November 2014, war es dann soweit. Die Kinder, alle mit Warnwesten, nutzten den Weg von der Schule zum Feuerwehrhaus natürlich auch gleich für einige andere Übungen zur Verkehrssicherheit. Und das Auto der Klassenlehrerin wurde gleich mal von allen Kindern verprügelt. Verprügelt? Na ja, was soll ein Kind denn tun, um auf sich aufmerksam zu machen, wenn ein Auto aus- oder einparken will, und der Fahrer dabei das Kind übersieht? Laut schreien und ruhig auch mal gaaaanz fest auf das Auto schlagen! - das hört der Fahrer noch am ehesten. Bei der Übung sorgte ein Kissen dafür, dass weder dem Auto von Frau Hoffmann, noch den Kindern dabei etwas passierte.

eine Gruppe Kinder bobachtet einen Mann, der über einen Zebrastreifen geht
hält das Auto an?

"Stehen - sehen - gehen" oder wie überquert man eine Straße ohne und mit Zebrasteifen - das konnten die Kinder ebenfalls unterwegs lernen bzw wiederholen.

Aber auch die Autofahrer können hier vielleicht noch etwas lernen: Christian Lottermann wies darauf hin, dass manche Fahrer ihr Auto langsam auf den Zebrasteifen zurollen lassen um nicht anhalten zu müssen. Besser ist es, "deutlich" zu fahren, also definiert anzuhalten. Den Kindern wird beigebracht, nicht los zu laufen, bevor das Auto steht. Ein rechtliches Problem kann übrigens die gut gemeinte Handbewegung werden, mit der manche Autofahrer Kinder "über die Straße winken" - damit übernehmen sie die Verantwortung dafür, dass auch die Gegenrichtung frei ist. Besser einfach anhalten und die Kinder selbst schauen und entscheiden lassen.

Kinder stehen im mit Flatterband markierten Toten Winkel eines LKW
die Toten Winkel sind mit Flatterband markiert

Auf dem Hof der Feuerwehr wartete bereits der Fahrschul-LKW. Flatterbänder markierten den Toten Winkel. Die Kinder waren mit Feuereifer bei der Sache. Wieviele Tote Winkel denn so ein LKW hat? Na, einer rechts und einer links. Ja und genau vor dem Führerhaus ist auch noch Platz genug für eine ganze Schulklasse - oder im Straßenverkehr für einen Fußgänger oder Radfahrer. Ja natürlich, hinten. Hinten kann der Fahrer ein Kind auch nicht sehen. Also ist es besser, sich nicht dort aufzuhalten. Erstaunlich, wie viele Kinder in den Toten Winkel passen. Die ganze Schulklasse.

Kinder schauen hinauf zum Führerhaus eines LKW
"Wenn du den Fahrer nicht sehen kannst, kann der dich auch nicht sehen!"

"Schaut mal von unten in den Spiegel, könnt ihr den Fahrer sehen?" - eine ganz einfacher und einsichtiger Merksatz lautet: "Wenn du den Fahrer nicht sehen kannst, kann der dich auch nicht sehen!"

Und dann durfte jedes Kind selbst einmal ins Führerhaus klettern und sich hinter das Lenkrad setzen. "Wen siehst du denn, wenn du da vorne rausguckst?", "Schau mal rechts in den Spiegel, siehst du da jemand?" - so konnten die Kinder selbst erleben, wie sie, bzw. ihre Schulkameraden im Straßenverkehr gesehen, oder eben NICHT gesehen werden.

ein Kind sitzt hinter dem Steuer eines LKW
die eigene Erfahrung ist der beste Lehrmeister

ein Frau sitzt hinter dem Steuer eines LKW
eine ungewohnte Perspektive für die Klassenlehrerin
Für die Kinder war dieser Vormittag ein interessantes Erlebnis. Ein richtiger LKW. Und selbst drin sitzen durften sie. Auch für die Klassenlehrerin war der Blick auf die Straße aus der Perspektive eines LKW-Fahrers etwas ganz Neues.

Und wie geht es weiter? Die Klasse 1c war sozusagen Versuchskaninchen für diesen Aspekt der Verkehrserziehung hier in Bad Camberg. Nach den guten Erfahrungen - die Kinder waren sehr interessiert bei der Sache - will Christian Lottermann in Absprache mit der Schulleitung und den Lehrern auch die anderen Ersten Klassen LIVE mit den Gefahren des Toten Winkels vertraut machen.

Kinder stehen hinter einem LKW
auch Kinder hinter dem LKW kann der Fahrer nicht sehen

gelber dreieckiger Aufkleber - ein durchgekreuzter Radfahrer neben einem LKW Ein Tipp für Spediteure und LKW-Fahrer:
den Aufkleber "ACHTUNG: TOTER WINKEL!" der hinten auf dem Fahrschul-LKW klebt, kann man in mittlerweile vier verschiedenen Varianten bestellen - für Silo- und Tankauflieger, Busse, Auflieger und Transporter. Ansprechpartner siehe auf www.svg-consult.de.