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Das Camberger Stufenkraftwerk

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Betonkonstruktion im Bachbett umgeben von Bäumen

Das Camberger Stufenkraftwerk

Derzeit ist ein reges öffentliches Interesse am Camberger Stufenkraftwerk zu verzeichnen, das im Jahr 2013 mehrfach im Mittelpunkt von Veranstaltungen stand. Die Bauruine befindet sich zwischen Bad Camberg und Würges, westlich der B8 (Richtung Camberg) in Höhe der Abzweigung zur L3031 am Bachlauf des Emsbaches.

Betonkonstruktion im Bachbett umgeben von Bäumen
Stufenkraftwerk Camberg (Ansicht von Süden) Foto: Hartmann-Menz

Die Umrahmung mit einem kleinen Wäldchen nimmt der Anlage die Wucht ihrer ursprünglichen Erscheinung. An der Nordseite ist sie mit Graffiti überzogen.

Gebäuderuine mit Graffiti umgeben von Bäumen
Stufenkraftwerk (Ansicht von Nordosten) Foto: Hartmann-Menz

Es handelt sich um ein unbequemes Denkmal, das an seinen Erbauer, den völkisch-faschistischen und in seiner Agitation explizit antisemitisch argumentierenden NSDAP-Wirtschaftstheoretiker Dr. Franz Lawaczeck erinnert.

Rein technisch betrachtet war das Camberger Stufenkraftwerk als Spitzenlastkraftwerk geplant. Es sollte jenen Energiebedarf decken, der während der Tageszeiten erhöhter Stromnutzung bestand. Dazu wurden am Emsbach Wehre und Stauseen errichtet, um den Fluss des Wassers zielgerichtet steuern zu können. Mittels des in Zeiten geringen Strombedarfs anfallenden Überschusses an Elektrizität plante der Ingenieur die Erzeugung von Wasserstoff, um so die überschüssige Energie speichern zu können.

Ein im Stadtarchiv Bad Camberg zugängliches Schreiben Franz Lawaczecks, welches dieser im Jahr 1941 verfasst hatte, dokumentiert jedoch unmissverständlich Ziel und Zweck des Stufenkraftwerks als baulicher Ausdruck der insbesondere auf dem Antisemitismus aufgebauten NS-Wirtschaftsideologie.

Die Historikerin Martina Hartmann-Menz hat sehr gründlich über das Thema recherchiert und eine ausführliche Abhandlung darüber verfasst, die man hier als PDF lesen kann: "Das Camberger Stufenkraftwerk: In Beton gegossener Antisemitismus und Ausdruck faschistischer Wirtschaftsideologie - Ein Beitrag zur regionalen NS Wirtschaftsgeschichte von Martina Hartmann-Menz, 11-2013"