Drehscheibe Camberg

Bad-Camberg.Info

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Wissenswertes Stolpersteine Chronik Verlegung der ersten Stolpersteine in Bad Camberg

Verlegung der ersten Stolpersteine in Bad Camberg

E-Mail Drucken
kleines Plakat mit historischem Foto der Obertorstraße mit dem Obertorturm im Hintergrund - auf der Straße sind bereits verlegte Stolpersteine eingeblendet

Plakat mit historischem Foto der Obertorstraße mit dem Obertorturm im Hintergrund - auf der Straße sind bereits verlegte Stolpersteine eingeblendet

Am Donnerstag, 13. Februar ab 13 Uhr werden in Bad Camberg die ersten 13 so genannten "Stolpersteine" im Gedenken an Opfer des nationalsozialistischen Terrors verlegt.

Vor sieben Häusern werden die Steine, die ebenerdig in den Bürgersteig eingelassen werden, in Zukunft daran erinnern, dass dort jüdische Mitbürger gelebt haben, die aus ihren Wohnhäusern geholt, deportiert und in den Tod geschickt wurden, nur weil sie nicht in das Menschenbild der Nationalsozialisten passten.

Die Steine sind mit einer quadratischen Messingplatte versehen, auf denen Name und Geburtsdatum, sowie, wenn bekannt, der Deportationsort, der Todesort und das Todesdatum eingraviert sind. "Stolpersteine" sind ein Kunstprojekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, der bereits in etwa 800 Städten und Gemeinden in Deutschland und in Europa diese Gedenksteine verlegt, um an die Opfer zu erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden.

In unserer Region wurden zuletzt in Limburg "Stolpersteine" verlegt, auch in Montabaur, Hofheim, Wiesbaden und Frankfurt gibt es schon seit längerem diese Art des Gedenkens. Wie in allen Städten werden auch in Bad Camberg die "Stolpersteine" vor dem Haus verlegt, in dem die Opfer ihren letzten frei gewählten Wohnsitz hatten. Ein "Stolperstein" kostet 120 Euro. Alle Steine, die in Bad Camberg verlegt werden, wurden durch private Spenden von Bürgerinnen und Bürgern bezahlt.

In Bad Camberg geht die Verlegung der "Stolpersteine" auf einen gemeinsamen Antrag der Fraktionen von Bündnis90/Die Grünen und SPD zurück. Beide Fraktionen hatten sich im Herbst 2012 in der Stadtverordnetenversammlung für eine Umsetzung dieses Projekts ausgesprochen, die Mitglieder der CDU-Fraktion hatten sich bei der Abstimmung enthalten. Im Januar 2013 hat sich dann eine Initiativgruppe aus Bürgerinnen und Bürgern sowie Vertretern der Schulen, der Kirchen, des Stadtarchivs und aus Fraktionsmitgliedern der Grünen und der SPD gegründet, die sich nun ein Jahr lang mit der Recherche zu den Schicksalen der Opfer und mit der Planung der Umsetzung des Projekts befasst hat. Zunächst wurde recherchiert, welche jüdischen Opfer ihren letzten frei gewählten Wohnsitz in Camberg hatten und direkt von hier aus in den Tod geschickt wurden. Für diese dreizehn jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger werden am Donnerstag die ersten "Stolpersteine" in Bad Camberg verlegt. Aber die Initiativgruppe recherchiert weiter. In einem zweiten Schritt sollen zu einem späteren Zeitpunkt "Stolpersteine" für Camberger Mitbürger verlegt werden, die Opfer der menschenverachtenden Euthanasie wurden.

Die Verlegung der ersten "Stolpersteine" beginnt am Donnerstag um 13 Uhr in der Obertorstraße 11. Während Gunter Demnig den Gedenkstein für Recha Oppenheimer dort verlegt, wird ein Schicksalsbericht über ihr Leben berichten. Außerdem werden kurze offizielle Grußworte gesprochen. Die Initiativgruppe freut sich besonders, dass Rabbi Nussbaum aus Wiesbaden sein Kommen zugesagt hat. Kinder der Atzelschule werden mit einem hebräischen Friedenslied den offiziellen Teil musikalisch umrahmen. Anschließend werden nacheinander die weiteren sechs Verlegeorte angesteuert. Dort werden jeweils die von der Initiativgruppe erstellten Gedenkblätter verlesen, die über das Leben der Opfer und ihr Schicksal Auskunft geben. Ein kurzer Gedicht- oder Musikbeitrag ergänzt das Gedenken. Vor folgenden weiteren Häusern werden "Stolpersteine" verlegt (pro Verlegeort ca. 20 Minuten): Obertorstr. 39 (Adolf und Dora Kahn), Neumarkt 11 (Johanna und David Liebmann), Frankfurter Str. 32 (Hedwig und Moritz May), Frankfurter Str. 8 (Pauline und Seligmann Bachenheimer), Limburger Str. 17 (Irma, Herrmann und Regine Löwenthal), Bahnhofstr. 12 (Daniel Levi). Im Anschluss an die Verlegung steht der Künstler Gunter Demnig den Interessierten noch für ein Gespräch zur Verfügung.

Nähere Informationen findet man in den Faltblättern, die in örtlichen Geschäften ausliegen - online unter "Stolpersteine-Flyer-Feb-2014.pdf" - sowie im Internet unter www.stolpersteine.bad-camberg.info und auf der Facebook-Seite www.facebook.com/Stolpersteine.Bad.Camberg. Für Rückfragen steht auch die Sprecherin der Initiativgruppe, Julia Schlösser, unter Tel. 06434-38421 zur Verfügung. (js)

 

Werbung