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Adolf und Dora Kahn

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eine mit Namen und Daten beschriftete Messingplatte
Dokumentation Stolpersteine Bad Camberg 2014

Bad Camberg, Obertorstraße 39

Passfoto eines Mannes
Passfoto einer Frau

Adolf Kahn

Geburtsdatum: 15.10.1884, Steinfischbach
Deportation: ab Camberg am 10.06.1942
über Frankfurt am Main
weiter am 11.06.1942
nach Majdanek oder Sobibor
Tod: für tot erklärt 31.12.1942

Dora Kahn, geb. Mainzer

Geburtsdatum: 03.06.1885, Nievern
Deportation: ab Camberg am 10.06.1942
über Frankfurt am Main
11.06.1942 nach Sobibor
Tod: für tot erklärt 31.12.1942

Das Ehepaar Adolf und Dora Kahn wohnte mit den beiden Töchtern Irene und Henny sowie dem Sohn Alex im Dombacherweg 17 in Camberg. Sie besaßen ein bescheidenes kleines Wohnhaus mit Stall und Hausgarten im Verkehrswert von 4.000 Reichsmark. Herr Kahn war Ziegenhändler.

Während des Novemberpogroms am 9. November 1938 wurden die Wohn- und Geschäftshäuser von etlichen jüdischen Bürgern überfallen, geplündert und demoliert; gleichzeitig wurden Bürger, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, bedroht bzw. angegriffen. Bei Familie Kahn wurden Möbel und Gebrauchsgegenstände zerschlagen oder auf die Straße geworfen. Herr und Frau Kahn wurden in der Pogromnacht verhaftet. Während Dora Kahn einen Monat später wieder nachhause zurückkehren konnte, blieb Adolf Kahn bis zum 10.02.1939 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert.

Die Situation der in Deutschland lebenden Juden verschlechterte sich ab 1938 durch eine Flut von Gesetzen und Bestimmungen zunehmend; es gelang dem Ehepaar Kahn, ihre drei Kinder rechtzeitig bei Verwandten im Ausland unterzubringen. Dora und Adolf Kahn stellten spätestens im Frühjahr 1939 über das Landratsamt bei der zuständigen Staatspolizeistelle in Frankfurt einen Antrag auf Auswanderung. Ziel sollte die USA sein. Seit einigen Jahren lebten die Töchter Irene und Henny in New York, während der Sohn Alex in Kanada Zuflucht suchte. Die Zufluchtsländer machten die Einreise jedoch von Bürgschaften abhängig, die jeweils von Bürgern des Aufnahmelandes gestellt werden mussten. Herr Kahn musste aufgrund des komplizierten Verfahrens die ihm gesetzte Frist für die Auswanderung insgesamt 13 Mal verlängern. Auch die Tatsache, dass er Kriegsbeschädigter (M.d.E. 50 %) war, kam ihm nicht zugute. Die Eheleute warteten tagtäglich auf die Einreiseunterlagen, die sie von ihren Kindern zugesandt bekommen sollten. Die Auswanderung gelang jedoch nicht.

Das Ehepaar wurde mit anderen jüdischen Bürgern am 10.06.1942 an den Bahnhof Camberg gebracht und am 11.06.1942 von Frankfurt aus im Sammeltransport in ein Vernichtungslager im Osten (Majdanek oder Sobibor) verschickt. Da der genaue Todestag unbekannt ist, wurden sie mit Datum 31.12.1942 für tot erklärt.

Quellen:
HHStAW 519/3-3721
StABC XIII-1-33
Schmidt, Peter Karl "Die Judenschaft von Camberg, 300 Jahre jüdisches Landleben" Selbstverlag, 2014

Lebenslauf als PDF

Stand: 14.01.14