help4bands • Tipps und Infos in der Rockecke Lahn-Taunus •

Verwertungsgesellschaften

Wegen des regen Interesses setze ich heute erste Infos in die help-4-bands. Vor allem auch deshalb, damit ich nicht zig Mails schreiben muss. Aus Zeitmangel zunächst recht unsortiert, aber das werde ich gelegentlich noch etwas verschönern.

Beteiligte an einem Werk (Song)

Hier betrachte ich nur Musikstücke. natürlich gilt entsprechendes für Bücher, Theaterstücke und andere Leistungen.

Mach dich zunächst mal von der Vorstellung frei, dass ihr die von euch selbst geschriebenen Stücke selbst Live auf von euch veranstalteten Konzerte spielt und eigene CDs selbst einspielt, selbst herstellt und selbst verkauft. Das ist ein Sonderfall. Stell dir zum Verständnis der Zusammenhänge erst mal vor, dass jede Tätigkeit von einem anderen Mensch erbracht wird. Und geh davon aus, dass jeder von ihnen mit seiner Tätigkeit Geld verdienen will.

Der Komponist sitzt im stillen Kämmerlein vor einem Klavier oder Keyboard und spielt mit den Tasten. Er findet Melodien, Harmonien und Klangfarben und er stellt daraus Stücke zusammen, die er als Noten oder sonstwie aufschreibt.

Der Textdichter sitzt woanders im stillen Kämmerlein und denkt sich Liedtexte aus. Für Volksmusik, Schlager, Popsongs oder Rockmusik.

Der Verleger und das Label bringt die Musik unter die Leute. Das was bisher nur auf dem Papier existierte, wird als CD produziert und an den Handel weitergegeben oder bei Radiosender untergebracht. Das Label produziert CDs, und der Verleger bringt die Musik als CD oder Noten unter die Leute. Die Grenzen verschwimmen in der Praxis.

Die Interpreten (Musiker und Sänger) spielen die Musik. Sie spielen LIVE auf Konzerten, als Hintergrundmusik in Lokalen und Hotelhallen, bei Modenschauen und Firmenempfängen oder sie nehmen im Studio eine CD auf.

Verwertung von Musik

Zuerst mal der private Bereich. Das ist ganz einfach. Du kaufst die Noten oder eine CD oder hörst Radio. Für alles das hast du irgendwelche Gebühren bezahlt, die im Kaufpreis bzw der Runffunkgebühr stecken. Die Gebühren für diese "private Nutzung" sind relativ gering. Dafür ist damit aber auch nur die rein private Nutzung abgegolten.

Jetzt kommen die professionellen Musiknutzer ins Spiel. Geh auch hier mal davon aus, dass nicht eine kleine Band Hände ringend nach Gigs sucht, um überhaupt vor Leuten spielen zu können, sondern dass irgendwer Musik benötigt um damit Geld zu verdienen. Ein Veranstalter veranstaltet ein Konzert mit Metallica oder den Rolling Stones. Rock am Ring oder sonstwo. Der benötigt Bands, und Pausenmusik von CD. Eine Kneipe verdient auch Geld und benötigt Hintergrundmusik, damit sich die Leute wohlfühlen. Ab und zu veranstalten die ein LIVE-Konzert. Nicht zum Spaß, sondern um die Attraktivität ihrer Kneipe zu erhöhen und Gäste anzulocken. Im Supermarkt wird Musik gespielt, in Arztpraxen, bei Modenschauen, bei Tanzveranstaltungen.

Oder denkt mal an den klassischen Bereich, Opern, Konzerte, Musik bei Theateraufführungen.

Die Radiosender wollen auch Geld verdienen. Entweder sie kriegen was von den Rundfunkgebühren ab oder sie sind allein auf Werbeeinnahmen angewiesen. Und die Musik benötigen sie, um überhaupt Geld verdienen zu können.

Ach ja, Werbung. Kein Werbespot ohne Musik. Teils dafür komponiert, teils Musik aus den Hitparaden.

In Hotelzimmern kann man fernsehen oder Radio hören. Die Musik wird zentral empfangen oder von CD eingespielt und in die Zimmer per Kabel weitergeleitet.

Das waren jetzt bestimmt nicht alle Anwendungsfälle. Mir fällt gerade noch die Filmmusik ein, oder es gab da mal nen Rechtsstreit zwischen der GEMA und einer Pornofilm-Produktionsfirma, die ebenfalls Musik verwendet hat.

Allen diesen gewerblichen Verwertungen von Musik ist gemeinsam, dass mit der Musik direkt oder mit Unterstützung von Musik Kohle gemacht wird. Was kostet ein Rockkonzert? Wieviel setzt die Werbebranche um? Oder die Radiosender? Und da wollen alle an der Herstellung der Musik Beteilgte natürlich ein Stück abhaben. Umso mehr, je mehr mit ihrer Musik andere verdienen. Es kann ja nicht sein, dass die einen arbeiten und die anderen nur noch absahnen.

Wofür brauche ich Verwertungsgesellschaften?

Die einen möchten ihre Werke möglichst oft verkaufen, die anderen benötigen Musik für ihre Geschäftstätigkeit.

Das Problem ist, dass der Verwender von Musik sich für jedes Stück bei allen Beteiligten die Rechte für die von ihm vorgesehene Verwertung einholen und bezahlen muss. Er muss den Komponisten, den Texter, die Interpreten, die Verleger, die Labels um Erlaubnis fragen und jeden einzelnen bezahlen.

Und die Hersteller von Musik kämen nicht mehr zum Arbeiten, wenn sie ihre Produkte selbst vermarkten müssten. Vor allem könnten sie keinen so grossen Kreis von Verwendern ansprechen.

Und diese Lücke schliessen die Verwertungsgesellschaften. Sie vertreten die Rechte von verschiedenen Berufsgruppen, vergeben in deren Auftrag Genehmigungen und kassieren für sie die Honorare, Tantiemen oder wie die Kohle verschämt auch immer umschrieben wird. Andererseits kann sich ein Verwender bei den Verwertungsgesellschaften recht unkompliziert und vor allen Dingen bei einem oder wenigen Ansprechpartnern die benötigten Rechte kaufen.

Welche Verwertungsgesellschaften gibt es?

Die Rechte der Komponisten, Texter und Verleger vertreten in Deutschland die GEMA und die VGWM jeweils für die ihnen angeschlossenen Mitglieder.

Die GVL vertritt die Künstler (Musiker und Sänger) und Tonträgerhersteller (Labels)

Das waren in unserem Umfeld die wichtigsten. Daneben gibt es für andere Berufsgruppen natürlich weitere Verwertungsgesellschaften wie die "VG Wort - Verwertungsgesellschaft Wort" oder die "VG Bild-Kunst - Künstler, Fotografen und Filmurheber"

Unterscheide zwischen GEMA und GVL!

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass die GEMA und die GVL zusammenhängen. Das stimmt nicht! Die beiden sind getrennte Verwertungsgesellschaften und vertreten auch andere Rechte und andere Berufsgruppen.

Aber bei Veranstaltungen wird doch in einem GEMA und GVL eingezogen!?

Stimmt, aber das verheiratet die beiden nicht. Aus rein verwaltungsmässigen Vereinfachungsgründen zieht die GEMA eventuell anfallende Gebühren der GVL anlässlich Veranstaltungen gleich mit ein, zB für das Abspielen von CDs in Umbaupausen oder vor Konzertbeginn. Der Veranstalter hat dann nur die GEMA als Ansprechpartner.

Der Tankwart ist auch nicht das Finanzamt, bloss weil er Mineralölsteuern kassiert, oder?

Diese Seite wurde zuletzt am 2. Oktober 2007 bearbeitet.
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